39 — Wissen
Wo platziert man einen Feuchtesensor richtig?
Ein Sensor misst immer korrekt — an der Stelle, an der er hängt. Ob er damit die richtige Frage beantwortet, entscheidet sich bei der Montage, nicht bei der Auswertung.
Die Grundregel: an die kälteste Stelle
Übliche Hygrometer-Ratgeber empfehlen die Raummitte, fern von Außenwänden und Fenstern. Das ist richtig, wenn man wissen will, wie sich das Raumklima für Menschen anfühlt. Für die Frage nach Schimmel ist es genau der falsche Platz.
Schimmel und Kondensat entstehen dort, wo die Oberfläche am kältesten ist, weil dort die relative Feuchte an der Oberfläche am höchsten liegt. Ein Raum kann in der Mitte 21 °C und unauffällige Feuchte haben und an der Außenecke trotzdem dauerhaft im kritischen Bereich liegen. Wer das Schimmelrisiko messen will, misst deshalb an der Stelle, an der es am ehesten eng wird.
Welche Stellen in der Praxis kritisch sind
In Bestandsobjekten wiederholen sich die kritischen Stellen. Sie haben gemeinsam, dass dort Wärme schneller nach außen abfließt als in der Fläche daneben oder dass die warme Raumluft sie schlecht erreicht.
Typische Positionen für Messpunkte
- Außenecken, besonders dort, wo zwei Außenwände mit Boden oder Decke zusammentreffen
- Fensterlaibungen und der Bereich unter dem Fenster
- Wandflächen hinter Schränken, Betten oder Sofas an einer Außenwand
- Anschlüsse an auskragende Balkonplatten oder Stahlbetonbauteile
- Bäder und Räume ohne Fenster, in denen Feuchte schlecht abzieht
- Stellen, an denen bereits einmal Befall aufgetreten ist
Welche Höhe und welcher Abstand passen
Eine feste Zentimeterangabe, die für jeden Raum passt, gibt es nicht. Die Höhe richtet sich nach der Stelle, die beobachtet werden soll. In Außenecken sind häufig die Bereiche nahe Boden oder Decke am kältesten, weil dort mehrere Flächen zusammentreffen. Hinter Möbeln zählt die Stelle, an der die Luft am wenigsten zirkuliert.
Auch die Jahreszeit spielt mit hinein. Im Winter ist die Außenecke kalt und der Unterschied zur Raummitte groß; im Sommer gleichen sich die Temperaturen an, und dieselbe Stelle wirkt unauffällig. Eine Position, die im Juli unkritisch erscheint, kann im Jänner die kritischste des Raums sein. Deshalb wird nicht nach Gefühl platziert, sondern nach den bauphysikalischen Schwachstellen des Raums.
Wichtig ist, dass der Messpunkt die Luftschicht unmittelbar an der Oberfläche erfasst und nicht frei im Raum hängt. Gleichzeitig darf er nicht dort sitzen, wo er direkt nass wird, etwa im Spritzbereich einer Dusche. Und die gewählte Position muss festgehalten werden: Raum, Wand, Höhe. Ohne diese Angabe lässt sich ein Messwert später nicht zuordnen.
Welche Plätze die Werte verfälschen
Manche Positionen liefern Werte, die mit der eigentlichen Frage wenig zu tun haben. Sie sind nicht falsch gemessen, aber falsch gewählt.
Besser vermeiden
- Direkt über oder neben Heizkörpern, Öfen und anderen Wärmequellen
- Stellen mit direkter Sonneneinstrahlung
- Der unmittelbare Spritzbereich von Dusche, Badewanne oder Spüle
- Die Nähe von Luftbefeuchtern, Wäscheständern oder Kochstellen, wenn nicht gerade deren Einfluss gemessen werden soll
- Positionen, an denen der Messpunkt regelmäßig verstellt oder abgedeckt wird
Warum ein Vergleichsmesspunkt dazugehört
Ein auffälliger Wert allein ist schwer einzuordnen. Liegt die Außenecke im kritischen Bereich, weil das Bauteil kalt ist, oder weil die ganze Wohnung gerade sehr feucht ist? Diese Frage beantwortet ein zweiter Messpunkt an unauffälliger Stelle, etwa an einer Innenwand oder in einem Raum ohne Beschwerden.
Der Vergleich trennt die Einflüsse: Steigt die Feuchte an beiden Punkten gleichzeitig, liegt es eher an der Raumluft und damit häufig an der Nutzung. Bleibt der Vergleichspunkt unauffällig, während die Außenecke kritisch wird, spricht das eher für das Bauteil. Die abschließende Beurteilung bleibt bei der fachlichen Prüfung, aber ohne Vergleich fehlt ihr der Maßstab.
Deshalb setzt San-Care typischerweise zwei bis vier Messpunkte je Wohneinheit: an den kritischen Stellen und an einem Vergleichspunkt. Die genaue Zahl ergibt sich aus der Begehung, nicht aus einer Faustregel.
Wie San-Care die Positionen im Objekt festlegt
Welche Stelle in einem Objekt tatsächlich die kritische ist, lässt sich am Grundriss nur vermuten. Deshalb steht am Anfang eine Begehung. Aufgenommen werden die Außenwände und Außenecken, Fensterlaibungen, Bäder, Bereiche hinter Einbauten und alle Stellen, an denen es schon einmal Befall oder Beschwerden gab. Die Erfahrung aus rund 30 Jahren Sanierung hilft dabei, typische Schwachstellen eines Bestandsgebäudes schnell zu erkennen.
Daraus entsteht das Messkonzept: Anzahl, Position und Höhe jedes Messpunkts, schriftlich festgehalten. Die Bewohner werden vorher informiert, was gemessen wird und was nicht, und ihre Zustimmung ist Voraussetzung. Wo keine Zustimmung vorliegt, wird nicht gemessen und das Konzept wird angepasst.
Montiert wird mit dem eigenen Team, ohne Subunternehmer. Die Messpunkte werden geklebt oder geschraubt, ohne Verkabelung und ohne baulichen Eingriff; die Basisstation kommt an eine normale Steckdose, etwa im Stiegenhaus oder Technikraum. Danach wird die Funkstrecke im Objekt abgenommen.
Schritt für Schritt
Einen Feuchtesensor zur Erkennung von Schimmelrisiko platzieren
Wie Messpunkte in einer Wohnung so gesetzt werden, dass ihre Werte das Schimmelrisiko an den kritischen Stellen abbilden.
Die kältesten Stellen finden
Außenwände, Außenecken, Fensterlaibungen und Bereiche hinter Möbeln an Außenwänden aufnehmen. Stellen mit früherem Befall haben Vorrang.
Den Messpunkt an die Oberfläche setzen
Den Sensor so anbringen, dass er die Luftschicht direkt an der kritischen Oberfläche erfasst, außerhalb von Spritzbereichen, Sonne und Wärmequellen.
Einen Vergleichsmesspunkt ergänzen
Einen zweiten Sensor an einer Innenwand oder in einem unauffälligen Raum anbringen. Er zeigt, was im Gebäude normal ist.
Die Positionen dokumentieren
Raum, Wand und Höhe jedes Messpunkts festhalten. Ohne diese Angabe lässt sich ein Messwert später nicht zuordnen.
Lange genug messen
Durchgehend über mindestens eine Heizperiode messen. Erst der Verlauf zeigt, wie oft und wie lange eine Stelle kritisch wird.
- Einen oder mehrere Feuchtesensoren mit Temperaturmessung
- Kenntnis der Außenwände und bisheriger Befallsstellen
- Die Zustimmung der Bewohner
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Messpunkt
- Ein einzelner batteriebetriebener Sensor, der an einer festgelegten Stelle Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Taupunkt erfasst.
- Vergleichsmesspunkt
- Ein Messpunkt an einer unauffälligen Stelle, dessen Werte zeigen, was in diesem Gebäude normal ist.
- Wärmebrücke
- Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
- Oberflächentemperatur
- Die Temperatur der Wand- oder Bauteiloberfläche selbst, die deutlich unter der Temperatur der Raumluft liegen kann.
- Messkonzept
- Die schriftliche Festlegung, an welchen Stellen, in welcher Höhe und in welcher Anzahl in einem Objekt gemessen wird.
- Begehung
- Der Termin vor Ort, bei dem das Objekt aufgenommen und die kritischen Bereiche bestimmt werden.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
- rasch und persönlich
- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
- Wien & Niederösterreich