53 — Wissen
Schimmel an der Wand entfernen: was man selbst tun kann und was nicht
Die meisten Menschen greifen beim ersten Fleck zum Putzmittel. Das ist bei kleinen Flächen oft in Ordnung, wenn man ein paar Regeln kennt. Der häufigste Fehler ist nicht das falsche Mittel, sondern die falsche Reihenfolge: entfernen, bevor die Ursache bekannt ist.
Welche Schimmelflächen kann man selbst entfernen?
Als Richtwert gilt nach dem deutschen Umweltbundesamt: Ein kleiner Befall, zum Beispiel unter einem halben Quadratmeter und nur an der Oberfläche, kann in der Regel selbst entfernt werden. Größerer Befall sollte von einer fachkundigen Firma saniert werden. Der österreichische Schimmelleitfaden des Arbeitskreises Innenraumluft ist in dieser Grundhaltung vergleichbar und betont vor allem die Ursachenklärung.
Selbst entfernen sollten nur Personen, die nicht allergisch auf Schimmelpilze reagieren, keine chronische Atemwegserkrankung haben und kein geschwächtes Immunsystem. Kinder, Schwangere und ältere Menschen sollten während der Arbeit nicht im Raum sein.
Wann braucht es Fachleute?
Sobald eine der folgenden Situationen zutrifft, ist eine fachliche Sanierung angeraten. Das Positionspapier zu Schimmel in Innenräumen des österreichischen Arbeitskreises Innenraumluft hält außerdem fest, dass ein oberflächliches Entfernen ohne Beseitigung der Ursache nicht nachhaltig ist und die Ursache durch unabhängige Fachleute abgeklärt werden sollte.
- Die befallene Fläche ist größer als etwa ein halber Quadratmeter
- Der Schimmel sitzt tiefer im Putz, in Gipskarton, in Dämmstoffen oder in Holz
- Der Befall folgt auf einen Wasserschaden oder auf durchnässte Bauteile
- Der Schimmel kommt nach dem Entfernen immer wieder an dieselbe Stelle zurück
- Im Haushalt leben Personen mit Allergien, Atemwegserkrankungen oder geschwächtem Immunsystem
- Die Ursache ist unklar oder betrifft mehrere Räume oder Wohnungen
Welche Mittel eignen sich, und welche nicht?
Auf glatten, nicht saugenden Oberflächen wie Fliesen, Glas oder lackierten Flächen lässt sich Schimmel mit einem feuchten Tuch und haushaltsüblichem Reiniger abwischen. Für Wandflächen wird in Ratgebern häufig hochprozentiger Alkohol genannt, etwa Ethanol mit rund 70 Prozent. Er verdunstet rückstandsfrei, ist aber brennbar: nicht in der Nähe offener Flammen verwenden und gut lüften.
Essig wird für Wände nicht empfohlen. Auf kalkhaltigen Putzen wird er neutralisiert und kann organische Rückstände hinterlassen. Chlorhaltige Mittel und andere Biozide sind in Wohnräumen nur mit Zurückhaltung einzusetzen. Das österreichische Positionspapier bezeichnet den Einsatz von Bioziden in Innenräumen als Sanierungsmaßnahme als im Allgemeinen nicht empfehlenswert und rät von Sprüh- und Vernebelungstechniken ab.
Befallene Tapeten werden in der Regel entfernt, nicht gereinigt: vorher anfeuchten, damit keine Sporen aufgewirbelt werden, und in einem dichten Sack entsorgen. Ein Überstreichen, auch mit speziellen Farben, deckt den Befall nur ab. Nach dem Positionspapier sind fungizide Wandfarben nach einer Sanierung nicht erforderlich.
Wie geht man bei einem kleinen Befall richtig vor?
Die Reihenfolge ist wichtiger als das Mittel. Zuerst wird der Zustand festgehalten, damit später nachvollziehbar ist, wie es vorher aussah. In einer Mietwohnung wird die Hausverwaltung oder der Vermieter informiert, bevor etwas entfernt wird. Erst dann wird entfernt, und zwar möglichst staubarm: feucht wischen statt trocken bürsten, kein Staubsauger ohne geeigneten Filter.
Danach beginnt der eigentliche Teil: herausfinden, warum die Stelle feucht war. Ohne diese Klärung ist jedes Entfernen eine Zwischenlösung.
Was kommt nach dem Entfernen?
Ob eine Stelle sauber bleibt, zeigt sich im nächsten Winter. Eine Messung an der betroffenen Stelle über die Heizperiode macht sichtbar, ob die Oberfläche nun ausreichend Abstand zum Taupunkt hält oder weiterhin in den kritischen Bereich gerät.
San-Care ist keine Sanierungsfirma. Das Unternehmen bringt rund 30 Jahre Sanierungserfahrung als Praxisperspektive ein und konzentriert sich auf Messung, Frühwarnung und Dokumentation. In Wien und Niederösterreich misst San-Care, in der Regel im Auftrag von Hausverwaltung oder Eigentümer, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt alle 15 Minuten. Der Verlauf grenzt die Ursache sachlich ein und zeigt nach einer Sanierung, ob sie gewirkt hat.
Schritt für Schritt
Kleinen, oberflächlichen Schimmelbefall an der Wand entfernen
Vorgehen für einen kleinen, rein oberflächlichen Befall unter etwa einem halben Quadratmeter, wenn keine gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen. Größere oder tiefere Befälle gehören in fachliche Hände.
Zustand festhalten und melden
Befall mit Datum fotografieren, Größe und Untergrund notieren. In einer Mietwohnung Hausverwaltung oder Vermieter informieren, bevor etwas entfernt wird.
Raum vorbereiten
Personen mit Allergien oder Atemwegserkrankungen, Kinder und Haustiere aus dem Raum bringen. Tür zu anderen Räumen schließen und das Fenster öffnen.
Schutzausrüstung anlegen
Handschuhe, Atemschutzmaske und Schutzbrille tragen, damit Sporen weder auf die Haut noch in Atemwege oder Augen gelangen.
Feucht und staubarm entfernen
Die Fläche mit dem Mittel befeuchten und mit Einwegtüchern abwischen, nicht trocken bürsten oder schleifen. Befallene Tapete vorher anfeuchten und abziehen.
Entsorgen und lüften
Tücher, Tapetenreste und Handschuhe im dichten Sack entsorgen, den Raum gründlich lüften und angrenzende Flächen feucht nachwischen.
Ursache klären
Herausfinden, warum die Stelle feucht war: Lüften und Heizen, kalte Wandstellen, Möbel an der Außenwand oder Wasser im Bauteil. Kommt der Befall wieder, ist eine fachliche Prüfung angeraten.
- Einweghandschuhe
- Atemschutzmaske und dicht schließende Schutzbrille
- Einwegtücher und ein dicht verschließbarer Müllsack
- Ein geeignetes Reinigungsmittel, etwa Ethanol mit rund 70 Prozent
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Schimmel
- Ein Pilzbefall auf Bauteiloberflächen, der entsteht, wenn dort über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.
- Schimmelsporen
- Winzige Keime, über die sich Schimmelpilze verbreiten und die in praktisch jeder Innen- und Außenluft vorkommen.
- Sachverständiger
- Eine fachlich qualifizierte Person, die den Zustand eines Bauteils beurteilt und daraus eine gutachterliche Bewertung ableitet.
- Kritische Oberflächenfeuchte
- Der in der Bauphysik übliche Richtwert, ab dem an einer Bauteiloberfläche mit Schimmelwachstum zu rechnen ist: rund 80 Prozent relative Feuchte über einen längeren Zeitraum.
- Taupunktabstand
- Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
- Anzeigepflicht
- Die Pflicht des Mieters, dem Vermieter Schäden ohne Verzug zu melden, deren Behebung Sache des Vermieters ist.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
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- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
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