Zum Inhalt springen

11 — Wissen

Richtig lüften und heizen gegen Schimmel

Die Ratschläge sind bekannt und werden trotzdem oft falsch umgesetzt, weil unklar bleibt, warum sie funktionieren. Wer das Prinzip versteht, kann Lüften und Heizen an die eigene Wohnung anpassen, statt Regeln auswendig zu lernen.

Fachlich geprüft, Stand 28. September 2026. Gilt für Bestandsobjekte in Wien und Niederösterreich.

Warum trocknet Lüften die Wohnung?

Kalte Außenluft enthält im Winter wenig Wasserdampf, selbst wenn draußen Nebel liegt. Kommt sie in die Wohnung und wird aufgeheizt, kann sie deutlich mehr Feuchte aufnehmen, ihre relative Feuchte sinkt. Beim nächsten Lüften verlässt sie die Wohnung mit der aufgenommenen Feuchte. Das ist der ganze Mechanismus: Lüften tauscht feuchte Innenluft gegen trockenere Außenluft.

Heizen und Lüften gehören deshalb zusammen. Warme Raumluft nimmt die Feuchte auf, die in der Wohnung entsteht, und warme Wände bleiben über dem Taupunkt. Das Lüften bringt die Feuchte hinaus. Fehlt eines davon, funktioniert das andere schlechter.

Wie viel gelüftet werden muss, hängt davon ab, wie viel Feuchte entsteht. In einem Haushalt kommen durch Atmen, Kochen, Duschen, Pflanzen und Wäschetrocknen täglich mehrere Liter Wasser in die Raumluft. Diese Menge verschwindet nicht von selbst; sie geht entweder mit der Luft hinaus oder schlägt sich an der kältesten Stelle nieder.

Warum ist Stoßlüften besser als ein gekipptes Fenster?

Beim Stoßlüften wird das Fenster für wenige Minuten ganz geöffnet. Die Raumluft wird schnell ausgetauscht, Wände und Möbel kühlen in der kurzen Zeit kaum ab und geben ihre gespeicherte Wärme danach wieder an die frische Luft ab. Noch wirksamer ist Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern, weil der Durchzug den Austausch beschleunigt.

Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht dagegen wenig Luft aus, kühlt aber die Laibung und den Sturz darüber stark ab. Im Winter entsteht so genau an der Fensteröffnung eine kalte Oberfläche, an der sich Feuchte niederschlägt, während die Raumluft insgesamt kaum trockener wird. Dazu kommt ein hoher Wärmeverlust.

ArtLuftaustauschAuskühlung der WändeEignung im Winter
Querlüftensehr hochgeringsehr gut
Stoßlüftenhochgeringgut
Dauerhaft gekipptes Fenstergeringhoch an Laibung und Sturzungeeignet
Die Lüftungsdauer hängt von Außentemperatur und Wind ab: je kälter, desto kürzer.

Wie oft und wie lange sollte man lüften?

Eine feste Zahl passt nicht für jede Wohnung, weil der Feuchteeintrag von der Zahl der Bewohner, vom Kochen, Duschen und Wäschetrocknen abhängt. Als Orientierung gilt: morgens nach dem Aufstehen, nach dem Duschen und Kochen sowie vor dem Schlafengehen lüften, bei vielen Personen oder Wäsche in der Wohnung öfter.

Die Dauer richtet sich nach der Außentemperatur. Im Winter reichen meist fünf bis zehn Minuten Stoßlüften, in der Übergangszeit darf es länger sein. Ein guter Anhaltspunkt: Beschlagene Scheiben sollten nach dem Lüften wieder frei sein.

Ein häufiges Missverständnis betrifft Regen und Nebel. Auch an feuchten, kalten Tagen trägt die Außenluft wenig Wasser, weil kalte Luft nur wenig aufnehmen kann. Wird sie in der Wohnung erwärmt, ist sie trockener als die Raumluft. Lüften lohnt sich im Winter deshalb auch bei Schlechtwetter.

Für Berufstätige, die tagsüber nicht zu Hause sind, bewährt sich ein fester Rhythmus: gründlich am Morgen, sofort nach dem Heimkommen und vor dem Schlafengehen. Wäsche, die in der Wohnung trocknet, verlangt zusätzliches Lüften in dem Raum, in dem sie hängt.

Wie heizt man im Bestand richtig?

Im Bestand ist die Versuchung groß, wenig genutzte Räume wie Schlafzimmer oder Gästezimmer kalt zu lassen. Das spart Energie, aber es erhöht das Risiko: Die Wände kühlen aus, und warme, feuchte Luft aus den übrigen Räumen wandert hinein und kondensiert an den kalten Oberflächen.

Besser ist es, alle Räume auf einem gemäßigten Niveau gleichmäßig zu beheizen und die Temperatur in der Nacht oder bei Abwesenheit nur moderat abzusenken. Türen zwischen warmen und kühlen Räumen sollten geschlossen bleiben. Heizkörper frei zu halten, also nicht hinter Vorhängen oder Möbeln zu verstecken, sorgt dafür, dass die Wärme auch dort ankommt, wo die Wand kalt ist.

In älteren Gebäuden mit ungedämmten Außenwänden und bekannten Wärmebrücken kann richtiges Lüften und Heizen die Oberflächen an den kältesten Stellen trotzdem nicht immer ausreichend warm halten. Dann liegt die Grenze nicht beim Verhalten, sondern beim Bauteil — und das zeigt sich in einem Messverlauf.

Auch rechtlich zählt das Maß: Nach einer Einzelfallentscheidung des OGH (8 Ob 34/17h) schulden Mieter ein normales Lüftungsverhalten; ist darüber hinaus Lüften nötig, um Schimmel zu vermeiden, liegt das in der Regel an der Beschaffenheit der Wohnung. Was im konkreten Fall normal ist, beurteilen fachliche Prüfung und im Streitfall das Gericht; San-Care liefert dafür Messdaten, beurteilt die Verantwortung aber nicht. Keine Rechtsberatung.

Woran erkennt man, ob Lüften und Heizen ausreichen?

Das subjektive Gefühl täuscht häufig. Eine Wohnung kann gut gelüftet wirken, während hinter dem Kasten an der Außenwand dauerhaft kritische Bedingungen herrschen. Umgekehrt ist nicht jede beschlagene Scheibe ein Zeichen für Fehlverhalten.

Belastbar wird die Einschätzung durch Messung an der kritischen Stelle über mehrere Wochen. Baut sich die Feuchte nach dem Lüften jeweils ab und bleibt der Abstand zum Taupunkt ausreichend groß, reichen die Maßnahmen. Bleibt die Stelle trotz regelmäßigen Lüftens über Tage kritisch, spricht das für einen bauteilbedingten Einfluss.

San-Care installiert in Bestandsobjekten in Wien und Niederösterreich Messpunkte, die alle 15 Minuten Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt aufzeichnen. Auf Wunsch können Bewohner einen eigenen Zugang erhalten und sehen dann ausschließlich die eigene Wohnung. So wird sichtbar, ob und wie das eigene Lüften wirkt.

Schritt für Schritt

Wohnung im Winter richtig lüften und heizen

Ein Tagesablauf für Bestandswohnungen, der Feuchte zuverlässig nach außen bringt und kalte Wandstellen möglichst warm hält.

  1. Morgens stoßlüften

    Nach dem Aufstehen die Fenster ganz öffnen, im Winter meist fünf bis zehn Minuten, wenn möglich quer durch die Wohnung. Beschlagene Scheiben sollten danach wieder frei sein.

  2. Feuchte an der Quelle ablüften

    Nach dem Duschen und Kochen direkt lüften und die Tür zum Rest der Wohnung geschlossen halten, bis die Feuchte draußen ist.

  3. Gleichmäßig heizen

    Alle Räume auf gemäßigtem Niveau beheizen, auch wenig genutzte. Temperatur in der Nacht oder bei Abwesenheit nur moderat absenken und Heizkörper frei halten.

  4. Kalte Stellen entlasten

    Möbel an Außenwänden mit Abstand aufstellen, Wäsche möglichst nicht in Wohnräumen trocknen und Fenster nicht dauerhaft kippen.

  5. Abends noch einmal lüften

    Vor dem Schlafengehen erneut stoßlüften, damit die Nacht mit trockenerer Luft beginnt.

  6. Wirkung kontrollieren

    Mit Hygrometer oder Messpunkt beobachten, ob sich die Feuchte nach dem Lüften abbaut. Bleiben kritische Werte an einer Stelle über Tage bestehen, ist eine fachliche Prüfung sinnvoll.

Was dafür nötig ist

  • Zu öffnende Fenster, möglichst auf gegenüberliegenden Seiten
  • Ein Hygrometer oder Messpunkt zur Kontrolle

Begriffe in diesem Text

Kurz erklärt.

Stoßlüften
Kurzes Lüften mit ganz geöffnetem Fenster, bei dem die Raumluft schnell ausgetauscht wird, ohne dass die Wände stark auskühlen.
Kipplüftung
Lüften über ein dauerhaft gekipptes Fenster, bei dem nur wenig Luft ausgetauscht wird.
Querlüften
Lüften mit gleichzeitig geöffneten Fenstern auf gegenüberliegenden Seiten, sodass ein Durchzug entsteht.
Heizverhalten
Die Art, wie Räume beheizt werden — welche Räume, wie warm und wie stark die Temperatur zeitweise abgesenkt wird.
Luftwechsel
Der Austausch der verbrauchten, feuchten Raumluft gegen frische Außenluft.
Feuchteeintrag
Die Menge an Wasser, die durch Atmen, Kochen, Duschen, Pflanzen oder Wäschetrocknen in die Raumluft gelangt.

Vollständiges Glossar

Häufige Fragen

Was dazu gefragt wird.

Nächster Schritt

Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.

Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.

Antwort
rasch und persönlich
Im Gerät
keine Kamera, kein Mikrofon
Bewohner
Zustimmung vorausgesetzt
Gebiet
Wien & Niederösterreich