40 — Wissen
Wie genau sind Feuchtesensoren? Genauigkeit, Kalibrierung und Drift
Wer zwei Hygrometer nebeneinander stellt, sieht selten dieselbe Zahl. Das heißt nicht, dass eines kaputt ist. Es heißt, dass Genauigkeit bei Feuchte eine eigene Frage ist — mit Antworten, die für die Auswertung wichtiger sind als die letzte Nachkommastelle.
Was Genauigkeit bei Feuchtesensoren bedeutet
Genauigkeit beschreibt, wie weit ein angezeigter Wert höchstens vom tatsächlichen Wert abweicht. Hersteller geben sie meist als Bereich in beide Richtungen an, oft nur für einen Teil des Messbereichs und eine bestimmte Temperatur. Außerhalb davon kann die Abweichung größer sein, gerade im sehr feuchten Bereich, der für Schimmelfragen am interessantesten ist.
Davon zu unterscheiden ist die Auflösung: Ein Display, das 57,3 Prozent anzeigt, misst deshalb nicht auf ein Zehntelprozent genau. Und es gibt die Wiederholbarkeit — ob ein Sensor unter gleichen Bedingungen gleiche Werte liefert. Für einen Verlauf ist sie oft wichtiger als die absolute Genauigkeit, weil sie bestimmt, ob Veränderungen echt sind.
Dass zwei Geräte nebeneinander einige Prozentpunkte auseinanderliegen, ist bei einfachen Hygrometern daher nicht ungewöhnlich. Welches näher an der Wahrheit liegt, zeigt erst der Vergleich mit einer Referenz.
Warum die Temperaturmessung so viel ausmacht
Relative Feuchte und Temperatur hängen eng zusammen. Bei Raumtemperatur verändert schon ein Grad Unterschied die relative Feuchte um rund sechs Prozent ihres Werts — bei 50 Prozent also um etwa drei Prozentpunkte, ohne dass sich an der Wassermenge in der Luft etwas geändert hat.
In der Praxis heißt das: Wer nur auf die Feuchteangabe eines Geräts schaut und die Temperatur ignoriert, übersieht die halbe Messung. Ein Hygrometer, das die Feuchte zwar ordentlich misst, aber etwas wärmer sitzt als die Wand, zeigt für diese Wand systematisch zu niedrige Werte.
Das hat zwei Folgen. Erstens: Misst ein Sensor die Temperatur ungenau oder sitzt er in einem wärmeren Luftpolster als die Oberfläche daneben, stimmt die Feuchte für diese Oberfläche nicht. Zweitens: Der Taupunktabstand ist eine Differenz aus zwei Größen, und Ungenauigkeiten beider Werte addieren sich darin.
Deshalb legt San-Care Wert auf die Temperaturgenauigkeit: Die Messpunkte messen auf ±0,3 °C genau. Und deshalb ist die Position so wichtig — ein genauer Sensor an der falschen Stelle misst genau das Falsche.
Was Sensordrift ist und woher sie kommt
Feuchtesensoren verändern sich mit der Zeit. Die feuchteempfindliche Schicht altert, und ihre Kennlinie verschiebt sich langsam. Diese Veränderung heißt Drift. Sie ist bei guten Sensoren gering, aber über Jahre nicht null.
Typische Ursachen für Drift
- Normale Alterung der feuchteempfindlichen Schicht
- Dauerhaft sehr hohe Luftfeuchte oder Kondensat direkt am Sensor
- Ausdünstungen von Lösungsmitteln, Farben, Klebern oder Reinigungsmitteln
- Staub und Verschmutzung an der Sensoröffnung
- Starke Temperaturwechsel, etwa in unbeheizten Räumen oder Kellern
Wie Kalibrierung funktioniert
Kalibrieren heißt, einen Sensor mit einer bekannten Referenz zu vergleichen und festzustellen, wie weit er abweicht. Wird die Abweichung anschließend korrigiert, spricht man genau genommen vom Justieren. Im Alltag werden beide Begriffe oft vermischt.
Für Feuchte gibt es mehrere Wege. Im Labor wird in Kammern mit genau eingestellter Feuchte verglichen. Einfacher, aber weniger genau, sind gesättigte Salzlösungen in einem geschlossenen Gefäß: Über gesättigter Kochsalzlösung stellt sich eine relative Feuchte von rund 75 Prozent ein. Solche Verfahren eignen sich zur Kontrolle, ersetzen aber keine Laborkalibrierung.
In der Praxis eines Gebäudemonitorings ist der Vergleich zwischen Messpunkten ein zusätzliches Werkzeug. Liegen mehrere Messpunkte im selben Raum oder unter ähnlichen Bedingungen, fällt ein Sensor, der sich langsam von den anderen entfernt, im Verlauf auf. Bei San-Care gehört die Betreuung der Messpunkte zur laufenden Wartung.
Worauf Sie bei Genauigkeitsangaben achten sollten
Datenblätter nennen oft eine einzige Zahl, die nur unter bestimmten Bedingungen gilt. Wer Geräte vergleichen oder eine Messreihe beurteilen will, sollte nachsehen, was hinter der Angabe steht. Einige Fragen helfen dabei, ohne dass man Messtechniker sein muss.
Besonders der obere Feuchtebereich verdient Aufmerksamkeit. Gerade dort, wo es für Schimmel und Kondensat interessant wird, sind viele einfache Geräte am ungenauesten, und dort altern Sensoren auch am schnellsten. Eine Angabe, die nur für die mittleren Werte gilt, sagt über diesen Bereich wenig.
Für eine Hausverwaltung ist die letzte Frage oft die wichtigste: Ein Gerät mit hervorragendem Datenblatt, das niemand betreut, liefert nach einigen Jahren schlechtere Daten als ein solides Gerät, dessen Werte laufend auf Plausibilität geprüft werden.
Fragen an eine Genauigkeitsangabe
- Gilt die Angabe für den ganzen Messbereich oder nur für einen mittleren Feuchtebereich?
- Bei welcher Temperatur wurde sie ermittelt, und wie genau ist die Temperaturmessung selbst?
- Ist eine Angabe zur Langzeitstabilität oder Drift vorhanden?
- Wie reagiert der Sensor auf Kondensat oder sehr hohe Feuchte über längere Zeit?
- Wie werden die Messpunkte im Betrieb betreut und auf Plausibilität geprüft?
Warum der Verlauf robuster ist als der Einzelwert
Für die Frage nach Schimmel oder Kondensat zählt selten, ob die Feuchte bei 78 oder 81 Prozent lag. Es zählt, ob eine Stelle über Tage im hohen Bereich bleibt, wie oft das passiert und ob es mit der Außentemperatur oder dem Tagesrhythmus der Bewohner zusammenhängt. Diese Muster sind gegenüber kleinen Abweichungen einzelner Werte robust.
Deshalb misst San-Care alle 15 Minuten, über Monate, und bewertet Dauer und Häufigkeit statt einzelner Spitzen. Die Einstufung je Messpunkt fasst das zusammen, und der Monatsreport ordnet die Verläufe fachlich ein. Wo im Einzelfall absolute Werte entscheidend sind, etwa in einem Gutachten, gehört die Bewertung zur fachlichen Prüfung, die dafür auf die Rohdaten zugreifen kann.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Messgenauigkeit
- Wie nahe ein angezeigter Messwert am tatsächlichen Wert liegt, meist als zulässige Abweichung in beide Richtungen angegeben.
- Messabweichung
- Der Bereich, in dem ein gemessener Wert vom tatsächlichen Wert abweichen darf — bei der Temperaturmessung von San-Care ±0,3 °C.
- Kalibrierung
- Der Vergleich eines Messgeräts mit einer bekannten Referenz, um festzustellen, wie weit seine Anzeige vom richtigen Wert abweicht.
- Sensordrift
- Die langsame Veränderung eines Sensors über Monate und Jahre, durch die seine Werte allmählich vom tatsächlichen Wert abwandern.
- Kapazitiver Feuchtesensor
- Ein Sensor, dessen dünne Kunststoffschicht Wasserdampf aus der Luft aufnimmt und dadurch ihre elektrische Eigenschaft so verändert, dass sich daraus die relative Luftfeuchtigkeit ablesen lässt.
- Taupunktabstand
- Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
- rasch und persönlich
- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
- Wien & Niederösterreich