54 — Wissen
Schimmel im Schlafzimmer: warum gerade dieser Raum so gefährdet ist
Viele schlafen gern kühl, und das ist auch in Ordnung. Nur rechnet dabei kaum jemand mit, wie viel Feuchte in einer Nacht zusammenkommt und wo sie hingeht, wenn die Wände kalt sind. Kinderzimmer, in denen oft mehrere Kinder schlafen und gespielt wird, sind besonders betroffen.
Warum ist das Schlafzimmer besonders schimmelgefährdet?
Ein Mensch gibt über Atmung und Haut laufend Feuchte ab, auch im Schlaf. Je nach Quelle wird für eine Nacht eine Größenordnung von einigen hundert Millilitern bis zu rund einem Liter je Person genannt. Bei zwei Personen und geschlossener Tür kommt über acht Stunden viel Wasser in einen vergleichsweise kleinen Raum.
Dazu kommt die Temperatur. Schlafzimmer werden oft wenig oder gar nicht beheizt. Kühle Luft kann weniger Feuchte aufnehmen, und die Außenwände sind in einem kalten Raum noch kälter. Und schließlich stehen im Schlafzimmer die größten Möbel: Kasten und Bett, oft genau an der Außenwand, weil dort der Platz ist.
Jeder dieser Faktoren ist für sich harmlos. Zusammen ergeben sie einen Raum, in dem die Wandoberflächen in der Heizperiode regelmäßig in den kritischen Bereich geraten.
Wie wirkt sich ein kühles Schlafzimmer an der Wand aus?
Ein Rechenbeispiel zeigt, wie eng es wird. Bei 17 °C und 60 Prozent relativer Feuchte liegt der Taupunkt bei rund 9 °C. Eine Außenwand mit 13 °C hat an ihrer Oberfläche dann rund 78 Prozent. Steigt die Feuchte über Nacht auf 65 Prozent, sind es an derselben Wand rund 84 Prozent, in einer Ecke mit 12 °C rund 90 Prozent.
Für Schimmel zählt die Dauer. Eine Nacht mit hohen Werten ist kein Problem, wenn am Morgen gelüftet wird und die Wand tagsüber abtrocknet. Wiederholt sich das Muster Nacht für Nacht, ohne dass die Feuchte zwischendurch abgebaut wird, bleibt die Oberfläche über Tage im kritischen Bereich.
| Raumluft | Taupunkt | Wand 13 °C | Ecke 12 °C |
|---|---|---|---|
| 17 °C / 60 % | rund 9 °C | rund 78 % | rund 83 % |
| 17 °C / 65 % | rund 10 °C | rund 84 % | rund 90 % |
| 20 °C / 60 % | rund 12 °C | rund 94 % | Kondensat |
Welche Gewohnheiten erhöhen das Risiko?
In der Praxis zeigen sich immer wieder dieselben Muster. Keines davon ist ein Fehlverhalten im moralischen Sinn, sondern einfach eine Gewohnheit, deren Wirkung auf die Wand niemand sieht.
- Die Schlafzimmertür steht offen, damit warme, feuchte Luft aus Wohnzimmer oder Küche das Schlafzimmer „mitheizt“
- Das Fenster ist die ganze Nacht oder den ganzen Tag gekippt, die Laibung kühlt stark aus
- Am Morgen wird nicht gelüftet, weil es schnell gehen muss
- Wäsche wird im Schlafzimmer getrocknet
- Bett und Kasten stehen dicht an der Außenwand, die Wand dahinter bleibt unbelüftet
- Der Heizkörper ist im Winter ganz abgedreht
Wie heizt und lüftet man ein Schlafzimmer richtig?
Das Schlafzimmer muss nicht warm sein, aber es sollte in der Heizperiode nicht auskühlen. Ein moderat temperierter Raum hält die Wände über dem kritischen Bereich; wie viel Wärme es braucht, hängt vom Gebäude ab. Die Tür zu wärmeren Räumen bleibt geschlossen, damit deren Feuchte nicht in das kühlere Zimmer wandert.
Direkt nach dem Aufstehen für einige Minuten mit weit geöffnetem Fenster stoßlüften, am besten mit Durchzug, und das Bett aufgeschlagen lassen, damit Matratze und Decke abtrocknen. Vor dem Schlafengehen noch einmal kurz lüften. Kasten und Bett mit einigen Zentimetern Abstand zur Außenwand aufstellen, das Kopfteil nach Möglichkeit an eine Innenwand.
In Kinderzimmern gilt dasselbe, oft mit mehr Feuchte, weil mehrere Kinder dort schlafen und spielen. Wer Befall bemerkt, sollte ihn nicht im Beisein der Kinder entfernen.
Wie lässt sich zeigen, ob das Schlafzimmer kritisch ist?
Ein Hygrometer auf dem Nachtkästchen zeigt die Raumluft, nicht die kalte Wand hinter dem Kasten. Aussagekräftig ist ein Messpunkt an der Außenwand, an der Ecke oder hinter dem Bett, der über mehrere Wochen durchgehend misst. Im Verlauf ist das nächtliche Muster gut zu erkennen: Die Feuchte steigt am Abend, erreicht in der Früh ihr Maximum und fällt nach dem Lüften wieder.
San-Care misst in Wien und Niederösterreich, in der Regel im Auftrag von Hausverwaltung oder Eigentümer, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt alle 15 Minuten und grenzt damit sachlich ein, ob die Feuchte aus der Nutzung kommt oder ob die Wand auch bei gutem Lüften kritisch bleibt. Die Messpunkte haben keine Kamera, kein Mikrofon und keine Anwesenheitserkennung; gemessen wird das Raumklima, nicht das Verhalten einzelner Personen.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Heizverhalten
- Die Art, wie Räume beheizt werden — welche Räume, wie warm und wie stark die Temperatur zeitweise abgesenkt wird.
- Stoßlüften
- Kurzes Lüften mit ganz geöffnetem Fenster, bei dem die Raumluft schnell ausgetauscht wird, ohne dass die Wände stark auskühlen.
- Kipplüftung
- Lüften über ein dauerhaft gekipptes Fenster, bei dem nur wenig Luft ausgetauscht wird.
- Taupunkt
- Die Temperatur, bei der die Luft ihre Feuchtigkeit nicht mehr halten kann und Wasser sich niederschlägt.
- Kritische Oberflächenfeuchte
- Der in der Bauphysik übliche Richtwert, ab dem an einer Bauteiloberfläche mit Schimmelwachstum zu rechnen ist: rund 80 Prozent relative Feuchte über einen längeren Zeitraum.
- Raumklima
- Das Zusammenspiel von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung in einem Raum.
- Hygrometer
- Ein Messgerät, das die relative Luftfeuchtigkeit anzeigt, meist zusammen mit der Temperatur.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
- rasch und persönlich
- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
- Wien & Niederösterreich