72 — Wissen
Muffiger Geruch in der Wohnung, aber kein Schimmel zu sehen
Der Geruch ist oft das erste Zeichen und das am schwersten zu fassende. Man riecht ihn beim Heimkommen, nach ein paar Minuten nicht mehr, und an der Wand ist nichts zu sehen. Ignorieren sollte man ihn trotzdem nicht.
Woher kommt der muffige Geruch?
Schimmelpilze und Bakterien geben beim Wachsen flüchtige Stoffwechselprodukte ab, die als muffig oder erdig wahrgenommen werden. In der Fachsprache heißen sie MVOC. Man riecht sie oft, bevor ein Befall sichtbar ist, und manchmal, obwohl er nie sichtbar wird, weil er verdeckt wächst.
Nicht jeder muffige Geruch kommt aber von Schimmel. Feuchte Textilien, ein Teppich über einem kalten Boden, ein Abfluss mit ausgetrocknetem Geruchsverschluss oder Luft aus einem feuchten Keller können ähnlich riechen.
Häufige Quellen
- Verdeckter Befall hinter Kästen, Betten und Einbauküchen an Außenwänden
- Schimmel unter Bodenbelägen, hinter Vorsatzschalen, Verkleidungen oder in einer Innendämmung
- Versteckte Feuchte aus einer undichten Leitung, einem Abfluss oder einer Duschwanne
- Luft aus einem feuchten Keller, die über Schächte oder Stiegenhaus nach oben zieht
- Ausgetrocknete Geruchsverschlüsse selten genutzter Abflüsse
- Feuchte Textilien, Wäsche, Schuhe oder Teppiche
Wie grenzt man die Quelle selbst ein?
Hilfreich ist, systematisch vorzugehen und Beobachtungen aufzuschreiben. Wo ist der Geruch am stärksten, zu welcher Tageszeit, bei welchem Wetter? Wird er nach Regen stärker, nach dem Heizen, nach längerer Abwesenheit? Ein Geruch, der nur in einem Raum auftritt, ist leichter zu orten als einer, der die ganze Wohnung erfüllt.
Dann die typischen Stellen prüfen: Möbel an Außenwänden abrücken und die Rückseiten ansehen, unter die Spüle und hinter die Waschmaschine schauen, Abflüsse in selten genutzten Räumen mit Wasser füllen, Silikonfugen auf Risse prüfen. Lose Fliesen, aufgequollene Sockelleisten oder Verfärbungen an der Decke sind Hinweise auf versteckte Feuchte.
Muss man den Geruch ernst nehmen?
Ja. Ein anhaltender muffiger Geruch ist ein Hinweis, dass irgendwo Feuchte über längere Zeit vorhanden ist. Bleibt die Ursache unentdeckt, kann der verdeckte Schaden wachsen und später aufwendiger zu beheben sein.
Wie stark ein Befall gesundheitlich wirkt, ist von Person zu Person verschieden. Menschen mit Allergien, Asthma oder geschwächtem Immunsystem reagieren oft empfindlicher. Bei Beschwerden ist ärztlicher Rat der richtige Weg; dieser Text gibt dazu keine medizinische Einschätzung.
Was kann ein Sensor beitragen, wenn er nicht riechen kann?
Ein Feuchtesensor misst keinen Geruch und erkennt keinen Schimmel. Er zeigt aber, wo die Bedingungen bestehen, unter denen Schimmel wächst: anhaltend hohe relative Feuchte an einer kühlen Oberfläche, ein kleiner Abstand zum Taupunkt, Feuchte, die nicht mehr abgebaut wird. Damit lässt sich die Suche auf wenige Stellen eingrenzen.
San-Care setzt dafür typischerweise zwei bis vier Messpunkte je Wohnung an den Verdachtsstellen und einen Vergleichsmesspunkt im Raum. Sie messen alle 15 Minuten Temperatur und Luftfeuchte und berechnen Taupunkt und Schimmelrisiko-Index. Steigt die absolute Feuchte an einer Stelle ohne erkennbaren Grund, etwa ohne Duschen oder Kochen, ist das ein Hinweis auf eine Feuchtequelle im Bauteil. Die fachliche Prüfung vor Ort klärt dann, was dahintersteckt.
Wo setzt San-Care an?
San-Care ist in Wien und Niederösterreich Ansprechpartner für Messung und Frühwarnung in Bestandsgebäuden und wird in der Regel von Hausverwaltung oder Eigentümer beauftragt. Die Messpunkte haben keine Kamera, kein Mikrofon und keine Anwesenheitserkennung, gemessen wird mit Zustimmung der Bewohner. Der Monatsreport ordnet die Verläufe ein und nennt die Stellen, an denen eine Prüfung vor Ort sinnvoll ist.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Schimmel
- Ein Pilzbefall auf Bauteiloberflächen, der entsteht, wenn dort über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.
- Schimmelsporen
- Winzige Keime, über die sich Schimmelpilze verbreiten und die in praktisch jeder Innen- und Außenluft vorkommen.
- Leckageortung
- Das Aufspüren einer undichten Stelle in einer Leitung, möglichst ohne Wände oder Böden großflächig zu öffnen.
- Absolute Luftfeuchtigkeit
- Die tatsächliche Menge Wasserdampf in der Luft, angegeben in Gramm je Kubikmeter — unabhängig von der Temperatur.
- Vergleichsmesspunkt
- Ein Messpunkt an einer unauffälligen Stelle, dessen Werte zeigen, was in diesem Gebäude normal ist.
- Kritische Oberflächenfeuchte
- Der in der Bauphysik übliche Richtwert, ab dem an einer Bauteiloberfläche mit Schimmelwachstum zu rechnen ist: rund 80 Prozent relative Feuchte über einen längeren Zeitraum.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
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