31 — Wissen
Innendämmung im Altbau: wo das Feuchterisiko liegt und wie man es überprüft
Im Gründerzeitbestand mit Stuckfassade ist die Innendämmung oft die einzige Möglichkeit, eine Außenwand zu dämmen. Sie funktioniert — wenn man weiß, wo sie empfindlich ist, und nachsieht, ob sie tut, was sie soll.
Was ändert sich an einer Wand, die innen gedämmt wird?
Eine ungedämmte Außenwand ist warm auf der Innenseite und kalt auf der Außenseite. Das Mauerwerk selbst liegt irgendwo dazwischen und wird vom Raum aus mitbeheizt. Kommt innen eine Dämmung dazu, wird der Raum vom Mauerwerk thermisch getrennt. Die Innenoberfläche der Dämmung wird wärmer, das Mauerwerk dahinter deutlich kälter als vorher.
Damit verschiebt sich die Stelle, an der Wasserdampf aus der Raumluft kondensieren kann, von der sichtbaren Wandoberfläche in die Grenzschicht zwischen Dämmung und Mauerwerk. Dort sieht niemand hin. Gleichzeitig trocknet die kältere Wand langsamer aus, was bei einer Fassade mit Schlagregenbelastung zusätzlich zählt.
Wo liegt das eigentliche Feuchterisiko?
In der Praxis liegt das Risiko selten in der Fläche, sondern an den Rändern. Überall dort, wo die Dämmung endet oder unterbrochen wird, bleibt ein Stück Bestandswand ungedämmt und wird durch die gedämmte Umgebung sogar noch kälter als vorher.
Im Wiener Gründerzeithaus kommt ein Sonderfall hinzu: Holzbalkendecken, deren Balkenköpfe in der Außenwand aufliegen. Durch die Innendämmung werden diese Auflager kälter und feuchter. Ob das unkritisch bleibt, hängt vom Zustand des Mauerwerks, der Schlagregenbelastung und der Ausführung ab und sollte in der Planung eigens betrachtet werden.
Typische Schwachstellen einer Innendämmung
- Anschlüsse an einbindende Innenwände und Decken
- Balkenköpfe von Holzbalkendecken in der Außenwand
- Fensterlaibungen, wenn die Dämmung dort fehlt oder zu dünn ist
- Steckdosen, Leitungen und andere Durchdringungen der Dämmebene
- Fugen und Hohlräume zwischen Dämmplatte und Mauerwerk
Kapillaraktiv oder mit Dampfbremse: welche Systeme gibt es?
Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze. Dampfbremsende Systeme halten den Wasserdampf mit einer dichten Schicht auf der Raumseite von der Konstruktion fern. Sie funktionieren nur, wenn diese Schicht lückenlos ist; jede Undichtheit an Anschlüssen und Durchdringungen lässt feuchte Raumluft genau dorthin, wo sie nicht hinsoll.
Kapillaraktive Systeme gehen den umgekehrten Weg. Sie lassen etwas Wasserdampf in die Konstruktion, verteilen entstehendes Kondensat aber über ihre feinen Poren und leiten es zur Raumseite zurück, wo es verdunstet. Sie gelten im Altbau als fehlertoleranter, sind aber nicht unempfindlich: Wird zwischen Mauerwerk und Dämmung eine dichte Schicht eingebaut, etwa ein alter Dispersionsanstrich oder eine Folie, ist die Wirkung dahin.
Welches System im konkreten Fall passt, ist eine Planungsfrage. Einfache stationäre Nachweise des Kondensationsschutzes, wie sie die ÖNORM B 8110-2 (Wasserdampfdiffusion, -konvektion und Kondensationsschutz) als vereinfachtes Verfahren kennt, bilden kapillaren Feuchtetransport nicht ab; für anspruchsvolle Fälle werden instationäre hygrothermische Berechnungen herangezogen.
| Dampfbremsendes System | Kapillaraktives System | |
|---|---|---|
| Prinzip | Wasserdampf fernhalten | Kondensat verteilen und zurückleiten |
| Empfindlich gegenüber | Undichtheiten an Anschlüssen | Dichten Schichten zwischen Wand und Dämmung |
| Austrocknung zur Raumseite | Stark eingeschränkt | Möglich |
| Typische Materialien | Mineralwolle oder Hartschaum mit Folie | Kalziumsilikat, Holzfaser, Mineraldämmplatte |
Was muss vor dem Dämmen geklärt sein?
Aus der Sanierungspraxis heraus gilt eine einfache Regel: Eine Innendämmung gehört auf eine Wand, deren Feuchtehaushalt geklärt ist. Wer auf eine Wand mit aufsteigender Feuchte, Salzbelastung oder Schlagregenproblem dämmt, sperrt das Problem ein und macht es gleichzeitig schwerer sichtbar.
Dazu gehört auch der Blick auf alte Beschichtungen. Dispersionsfarben, Latexanstriche oder Tapeten mit Kunststoffanteil können die Feuchteleitung zwischen Mauerwerk und Dämmung unterbrechen. Bei kapillaraktiven Systemen werden sie deshalb in der Regel entfernt, damit die Dämmung vollflächig und ohne Hohlraum an den mineralischen Untergrund anschließt.
Vor der Planung zu klären
- Ist das Mauerwerk frei von aufsteigender Feuchte und nennenswerter Salzbelastung?
- Ist die Fassade gegen Schlagregen intakt, sind Gesimse und Fensterbänke dicht?
- Welche Decken und Innenwände binden in die Außenwand ein, und wie werden sie behandelt?
- Welche alten Beschichtungen liegen auf der Innenseite und müssen entfernt werden?
- Welches Raumklima ist in der Nutzung zu erwarten, etwa in Bädern und Küchen?
Wie lässt sich eine Innendämmung überprüfen?
Rechnung und Ausführung sind das eine, das tatsächliche Verhalten über einen Winter das andere. Aus Sanierungssicht lohnt sich eine Messung vor allem in der ersten und zweiten Heizperiode nach dem Einbau, weil dann auch die Baufeuchte aus Kleber, Putz und Spachtel noch austrocknet.
Das Standardsystem von San-Care misst an der Raumseite: Temperatur, relative Luftfeuchte und Taupunkt an den kritischen Anschlüssen, also an Deckenrändern, einbindenden Innenwänden und Laibungen, dazu ein Referenzpunkt in der gedämmten Fläche. Bleibt der Taupunktabstand an einem Anschluss über längere Zeit klein, ist das ein Hinweis auf eine Wärmebrücke, der fachlich geprüft werden sollte.
Was in der Grenzschicht zwischen Dämmung und Mauerwerk passiert, sieht ein Raumklimasensor nicht. Für diese Frage baut San-Care auf Anfrage angepasste Sensorik auf, etwa Feuchte- und Temperaturfühler in der Konstruktion, gemeinsam mit dem Entwicklungspartner smartenic. Ob das im konkreten Aufbau machbar ist, wird vorher offen eingeschätzt; ausgewertet wird in derselben Plattform.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Innendämmung
- Eine Wärmedämmung, die an der Innenseite der Außenwand angebracht wird, wenn die Fassade nicht verändert werden kann oder darf.
- Kapillaraktiv
- Die Eigenschaft eines Baustoffs, flüssiges Wasser in seinen feinen Poren zu verteilen und wieder an die Oberfläche zurückzuleiten.
- Dampfbremse
- Eine Folie oder Schicht auf der warmen Seite eines Bauteils, die den Wasserdampf aus der Raumluft bremst, bevor er in die kalte Konstruktion gelangt.
- sd-Wert
- Eine Angabe in Metern, die beschreibt, wie stark eine Schicht den Durchgang von Wasserdampf bremst — je höher der Wert, desto dichter die Schicht.
- Wärmebrücke
- Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
- Schlagregen
- Regen, der vom Wind schräg gegen die Fassade gedrückt wird und dort in Putz und Mauerwerk eindringen kann.
- Taupunktabstand
- Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
Häufige Fragen
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