08 — Wissen
Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung richtig?
Ein Richtwert für die Raumluft ist hilfreich, aber nur die halbe Antwort. Dieselbe Luftfeuchte kann in einem gut gedämmten Neubau unauffällig und in einem ungedämmten Altbauzimmer an der Außenecke bereits zu viel sein.
Welche Werte gelten als normal?
Als üblicher Bereich für Wohnräume werden meist 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit genannt. Unter etwa 30 Prozent empfinden viele Menschen die Luft als trocken; dauerhaft über 60 Prozent steigt das Risiko, dass an kalten Oberflächen Feuchte kritisch wird. Diese Werte sind Orientierung, keine Normgrenzen, und sie gelten für die Raumluft bei üblichen Wohntemperaturen.
Wichtig ist der Zusammenhang mit der Temperatur. 55 Prozent bei 22 °C bedeuten mehr Wasserdampf in der Luft als 55 Prozent bei 18 °C. Wer einen Raum kühl hält und gleichzeitig viel Feuchte hineinbringt, verschiebt den Taupunkt nach oben und macht kalte Wandstellen empfindlicher.
Ebenso wichtig ist, dass die Werte eines Raumes über den Tag schwanken. Nach dem Duschen liegt das Bad kurzzeitig weit über 60 Prozent, nach dem Kochen die Küche, am Morgen das Schlafzimmer. Das ist normal. Aussagekräftig ist nicht der Höchstwert, sondern ob die Feuchte nach dem Lüften wieder in den üblichen Bereich zurückkehrt und wie lange sie darüber bleibt.
| Raum | Übliche Orientierung | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Wohnzimmer, Arbeitszimmer | etwa 40–60 % | Möbel an Außenwänden mit etwas Abstand stellen |
| Schlafzimmer | etwa 40–60 %, im Winter eher darunter | Nachts entsteht viel Feuchte, oft bei niedriger Raumtemperatur |
| Küche | kurzzeitig höher, danach wieder im Wohnbereich | Feuchte beim Kochen direkt ablüften |
| Badezimmer | kurzzeitig deutlich höher, danach wieder im Wohnbereich | Entscheidend ist, wie schnell die Werte fallen |
| Keller | stark abhängig von Nutzung und Jahreszeit | Im Sommer auf Kondensation an kühlen Wänden achten |
Warum unterscheiden sich Winter und Sommer?
Im Winter ist die Außenluft kalt und enthält wenig Wasserdampf. Wird sie beim Lüften hereingeholt und aufgeheizt, sinkt ihre relative Feuchte deutlich. Lüften trocknet die Wohnung deshalb in der Heizperiode besonders wirksam. Gleichzeitig sind die Außenwände im Winter am kältesten — Wärmebrücken und schlecht gedämmte Ecken werden genau dann zum Problem.
Im Sommer ist es umgekehrt. Warme Außenluft trägt viel Wasserdampf. In normal temperierten Wohnräumen ist das meist unkritisch, weil die Wände ebenfalls warm sind. Kühle Räume wie Keller, Souterrainwohnungen oder nordseitige Erdgeschoßräume können dagegen im Sommer feucht werden, weil die warme Luft an ihren kühlen Oberflächen abkühlt.
Für die Praxis heißt das: Im Winter genauer auf Außenecken, Fensterlaibungen und Schlafzimmer achten, im Sommer auf kühle Räume unter Terrain.
Auch die Übergangszeit hat ihre Tücken. Im Herbst ist die Heizung oft noch aus, die Außenwände kühlen aber bereits ab, und die Luft ist feucht. In dieser Phase steigen die Werte in vielen Wohnungen, bevor die Heizperiode sie wieder senkt. Wer in dieser Zeit regelmäßig lüftet und bei Bedarf kurz heizt, nimmt dem Winter die erste Feuchtespitze.
Was verrät der Raumwert nicht?
Ein Hygrometer zeigt die Feuchte dort, wo es steht. Steht es auf dem Regal in der Raummitte, zeigt es das allgemeine Raumklima. Ob hinter dem Kasten an der Außenwand dieselben Bedingungen herrschen, zeigt es nicht. An solchen Stellen ist die Oberfläche kälter, und die relative Feuchte an der Oberfläche liegt entsprechend höher.
In der Praxis zeigt sich regelmäßig, dass Bewohner alles richtig machen, das Hygrometer unauffällige Werte anzeigt und die Ecke trotzdem schimmelt. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass die Frage an der falschen Stelle gemessen wurde.
Dazu kommt die Genauigkeit einfacher Geräte. Günstige Hygrometer können um mehrere Prozentpunkte danebenliegen, und viele zeigen nur den aktuellen Wert ohne Verlauf. Für eine grobe Orientierung genügt das. Für die Frage, ob eine Stelle über Tage kritisch bleibt, fehlen Genauigkeit, Messort und Aufzeichnung.
Wie hält man die Luftfeuchtigkeit im Rahmen?
In einem bewohnten Haushalt entstehen täglich mehrere Liter Wasserdampf: durch Atmen, Kochen, Duschen, Pflanzen und Wäschetrocknen. Diese Feuchte muss wieder hinaus. Die wirksamsten Mittel sind unspektakulär, aber sie funktionieren nur, wenn sie regelmäßig passieren.
Bewährte Grundregeln
- Mehrmals täglich kurz und kräftig lüften statt Fenster dauerhaft kippen
- Feuchte aus Bad und Küche sofort nach außen führen, Türen dabei geschlossen halten
- Räume nicht dauerhaft stark auskühlen lassen, auch ungenutzte nicht
- Wäsche nach Möglichkeit nicht in Wohnräumen trocknen oder danach gezielt lüften
- Möbel an Außenwänden mit einigen Zentimetern Abstand aufstellen
Wann lohnt sich eine laufende Messung?
Für die meisten Wohnungen reicht ein einfaches Hygrometer als Orientierung. Anders ist es, wenn in einem Objekt wiederholt Feuchtefälle auftreten, Beschwerden von Bewohnern vorliegen oder unklar ist, ob Nutzung oder Bauteil die Ursache ist. Dann fehlt nicht ein Richtwert, sondern ein Verlauf.
San-Care installiert dafür in Bestandsobjekten in Wien und Niederösterreich typischerweise zwei bis vier Messpunkte je Einheit an den kritischen Stellen. Sie messen alle 15 Minuten Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt, die Daten laufen in die Plattform, und bei anhaltend kritischen Bedingungen gibt es einen Alert. Ein Monatsreport ordnet die Messreihen fachlich ein.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Relative Luftfeuchtigkeit
- Der Anteil an Wasserdampf in der Luft, angegeben in Prozent dessen, was die Luft bei dieser Temperatur maximal aufnehmen kann.
- Raumklima
- Das Zusammenspiel von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung in einem Raum.
- Hygrometer
- Ein Messgerät, das die relative Luftfeuchtigkeit anzeigt, meist zusammen mit der Temperatur.
- Feuchteeintrag
- Die Menge an Wasser, die durch Atmen, Kochen, Duschen, Pflanzen oder Wäschetrocknen in die Raumluft gelangt.
- Taupunkt
- Die Temperatur, bei der die Luft ihre Feuchtigkeit nicht mehr halten kann und Wasser sich niederschlägt.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
- rasch und persönlich
- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
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