81 — Wissen
Schimmel trotz Lüften und Heizen: woran es liegen kann und wie man es klärt
„Ich lüfte doch jeden Tag“ — kaum ein Satz fällt in Gesprächen über Schimmel so oft. Und er kann durchaus stimmen. Dann liegt die Antwort an einer anderen Stelle, und die findet man nicht mit gutem Zureden, sondern mit Daten.
Welche Ursachen kommen in Frage?
Schimmel braucht Feuchte über längere Zeit an einer Oberfläche. Lüften und Heizen senken die Feuchte der Raumluft — sie ändern aber nichts daran, dass bestimmte Stellen deutlich kälter sind als der Rest des Raums. Dort kann die Oberflächenfeuchte auch bei unauffälliger Raumluft in den kritischen Bereich kommen.
Häufige Ursachen, wenn Lüften nicht reicht
- Wärmebrücken an Außenecken, Fensterstürzen, Deckenanschlüssen oder Balkonplatten
- Möbel dicht an der Außenwand, hinter denen die Wand auskühlt
- Neue, dichte Fenster in einem Gebäude mit kalten, ungedämmten Wänden
- Feuchte aus dem Bauteil: aufsteigende Feuchte, Schlagregen, undichte Anschlüsse
- Ein versteckter Leitungsschaden in Wand oder Boden
- Einzelne Räume, die deutlich kühler gehalten werden als der Rest der Wohnung
Wird wirklich so gelüftet, wie man denkt?
Auch wer täglich lüftet, kann zu wenig Feuchte abführen. Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht wenig Luft, kühlt aber die Laibung aus. Ein einmaliges Lüften am Morgen reicht nicht, wenn danach gekocht, geduscht und Wäsche getrocknet wird. Und wer das Schlafzimmer kühl hält und die Tür zum warmen Wohnzimmer offen lässt, bringt warme, feuchte Luft genau in den kältesten Raum.
Diese Punkte sind keine Vorwürfe, sondern Alltag. Sie zeigen nur, warum der Satz „Ich lüfte doch“ allein nichts klärt — und warum die Gegenseite mit „Sie lüften falsch“ ebenso wenig in der Hand hat.
Wie zeigt eine Messreihe, woran es liegt?
Nutzung und Bauteil hinterlassen unterschiedliche Spuren im Verlauf. Nutzungsbedingte Feuchte folgt dem Tagesrhythmus: Sie steigt beim Duschen oder Kochen und baut sich nach dem Lüften wieder ab. Ein kaltes Bauteil zeigt sich anders: Der Taupunktabstand an der kritischen Stelle wird mit sinkender Außentemperatur kleiner und bleibt über Tage knapp, auch wenn die Raumluft unauffällig ist.
Hilfreich ist ein Vergleichsmesspunkt im selben Raum an einer unauffälligen Stelle. Zeigen beide Punkte dieselbe Raumluft, die Ecke aber eine deutlich höhere Oberflächenfeuchte, liegt der Schwerpunkt beim Bauteil. Steigt dagegen die absolute Luftfeuchtigkeit im ganzen Raum dauerhaft an, ist die Feuchtequelle im Raum zu suchen.
Was ist als Bewohner zu tun?
Den Befall mit Datum fotografieren, die Hausverwaltung oder den Vermieter schriftlich informieren und die eigenen Gewohnheiten beim Lüften und Heizen kurz notieren. Möbel an der betroffenen Wand abrücken und die Fläche nicht einfach überstreichen, bevor die Ursache klar ist.
Wer im Einzelfall für Ursache und Behebung aufkommt, hängt von Vertrag, Rechtsverhältnis und Sachverhalt ab. Dieser Text ist keine Rechtsberatung. Was im Einzelfall vertraglich oder rechtlich gilt, klären Sie mit Ihrer Rechtsberatung oder Interessenvertretung.
Was misst San-Care?
San-Care setzt Messpunkte an die betroffene Stelle und an einen Vergleichspunkt. Sie erfassen alle 15 Minuten Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit, die Plattform berechnet daraus den Taupunkt. Gemessen wird das Raumklima, nicht das Verhalten einzelner Personen: keine Kamera, kein Mikrofon, kein WLAN der Bewohner. Über eine Heizperiode entsteht so ein Verlauf, auf den sich Bewohner, Verwaltung und gegebenenfalls ein Sachverständiger gemeinsam beziehen können.
Für den Einstieg gibt es den Pilot (10 Messpunkte, 1 Objekt, 3 Monate Laufzeit) zu 990 € einmalig oder 390 €/Monat laut Preisübersicht, netto zuzüglich USt.; verbindlich ist das Angebot.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Wärmebrücke
- Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
- Taupunktabstand
- Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
- Absolute Luftfeuchtigkeit
- Die tatsächliche Menge Wasserdampf in der Luft, angegeben in Gramm je Kubikmeter — unabhängig von der Temperatur.
- Vergleichsmesspunkt
- Ein Messpunkt an einer unauffälligen Stelle, dessen Werte zeigen, was in diesem Gebäude normal ist.
- Messreihe
- Eine lückenlose Folge von Messwerten über einen längeren Zeitraum — im Unterschied zur einmaligen Momentaufnahme.
- Heizverhalten
- Die Art, wie Räume beheizt werden — welche Räume, wie warm und wie stark die Temperatur zeitweise abgesenkt wird.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
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- Wien & Niederösterreich